Opportunitätskosten

Die wahren Kosten jeder Entscheidung

Definition

Opportunitätskosten bezeichnen den entgangenen Nutzen der besten Alternative, auf die man bei jeder Entscheidung verzichten muss. Sie sind damit der wahre Maßstab für die Kosten menschlichen Handelns.

Einstieg

Nichts im Leben ist umsonst. Auch wenn Sie kein Geld bezahlen, zahlen Sie einen Preis. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen freien Abend. Sie könnten entweder ins Kino gehen oder für eine wichtige Prüfung lernen. Wenn Sie sich für das Kino entscheiden, kostet Sie das nicht nur den Ticketpreis. Die wahren Kosten sind die verpasste Zeit zum Lernen und vielleicht eine schlechtere Note in der Prüfung. Hätten Sie gelernt, wären die wahren Kosten der verpasste Spaß im Kino gewesen. Da wir nicht alles gleichzeitig tun können, müssen wir ständig wählen. Das, was wir aufgeben, nennen wir Opportunitätskosten.

Die Unausweichlichkeit der Wahl

Knappheit als Grundbedingung

Wir leben in einer Welt der Knappheit. Unsere Zeit, unsere Energie und unsere Mittel sind begrenzt, aber unsere Wünsche sind theoretisch unendlich. Deshalb zwingt uns die Realität dazu, Prioritäten zu setzen. Jede Handlung bedeutet, Ressourcen für einen Zweck einzusetzen und sie damit allen anderen möglichen Zwecken zu entziehen. Wer Stahl für Brücken verwendet, kann denselben Stahl nicht für Autos nutzen. Wer seine Fläche für Ackerbau nutzt, kann dort keinen Wald stehen lassen.

Subjektive Bewertung

Die Entscheidung, was die „beste Alternative“ ist, trifft jeder Mensch subjektiv. Für den einen ist der Verzicht auf Schlaf die größte Hürde, für den anderen der Verzicht auf Geld. Opportunitätskosten sind daher nicht starr in Zahlen fixiert, sondern hängen von den persönlichen Werturteilen des Handelnden ab. Sie existieren im Moment der Entscheidung im Kopf der Person, die abwägt, was ihr wichtiger ist.

Vertiefung und ökonomische Bedeutung

Kosten sind subjektiv und prospektiv

In der modernen Volkswirtschaftslehre und besonders in der Österreichischen Schule wird verstanden, dass Kosten nicht einfach vergangene Ausgaben sind. Kosten liegen in der Zukunft. Wenn ein Unternehmer entscheidet, eine Maschine für Produkt A einzusetzen, sind die Kosten der entgangene Gewinn, den er mit Produkt B hätte erzielen können. Buchhalterische Kosten blicken zurück auf das, was bezahlt wurde. Ökonomische Opportunitätskosten blicken nach vorne auf das, was möglich gewesen wäre. Eine Investition lohnt sich nur, wenn der erwartete Ertrag höher ist als diese Opportunitätskosten.

Die Rolle des Unternehmers

Der Unternehmer hat die Aufgabe, Ressourcen dort einzusetzen, wo sie den dringendsten Wünschen der Konsumenten dienen. Tut er das nicht, macht er Verluste. Verluste sind das Signal des Marktes, dass die Ressourcen verschwendet werden, weil die Opportunitätskosten (der Einsatz für andere Produkte) höher waren als der Ertrag des aktuellen Produkts. Gewinne hingegen zeigen an, dass der Wert des Produkts höher ist als die Summe der alternativen Verwendungsmöglichkeiten der Ressourcen.

Verwandte Begriffe

Das Konzept der Opportunitätskosten ergibt sich direkt aus der Knappheit der Mittel. Es ist untrennbar verbunden mit dem menschlichen Handeln und der subjektiven Wertlehre. Auch der Gewinn lässt sich nur verstehen, wenn man die alternativen Verwendungsmöglichkeiten berücksichtigt.