Definition
Die Katallaktik ist die Wissenschaft vom Austausch und den Marktprozessen, die sich aus der Anwendung der praxeologischen Handlungslogik auf das Phänomen des Tausches ergeben. Sie untersucht insbesondere die Bildung von Geldpreisen, Löhnen und Zinsen als notwendige Ergebnisse menschlicher Wahlhandlungen.
Einstieg
Stell dir vor, du gehst auf einen großen Wochenmarkt. Überall bieten Händler ihre Waren an, rufen Preise aus und verhandeln mit Kunden. Niemand hat diesen Markt zentral geplant oder die Preise vorab festgelegt. Dennoch entsteht eine Ordnung, in der Äpfel, Brot und Käse meist genau dort landen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
Die Katallaktik erklärt genau diesen Prozess. Sie zeigt auf, wie aus unzähligen individuellen Entscheidungen ein komplexes Preisgefüge entsteht. Sie ist das Herzstück der ökonomischen Analyse, weil sie erklärt, wie Menschen durch Tausch ihre Ziele erreichen und dabei unbewusst das gesamte Wirtschaftssystem steuern.
Der Markt als dynamischer Prozess
Anders als in einfachen Modellen betrachtet die Österreichische Schule den Markt nicht als einen festen Zustand der Ruhe. Menschen handeln ständig, lernen dazu und passen ihre Pläne an. Jeden Tag ändern sich Bedürfnisse und Ressourcen. Die Katallaktik analysiert, wie Unternehmer auf diese ständigen Veränderungen reagieren. Sie versuchen Gewinne zu erzielen, indem sie das Angebot besser an die Wünsche der Menschen anpassen.
Die Rolle des Geldes
In einer einfachen Tauschwirtschaft tauscht man Ware direkt gegen Ware. Das ist oft mühsam. Erst durch das Geld wird eine komplexe Arbeitsteilung möglich. Geld dient als allgemeines Tauschmittel, das es uns erlaubt, Werte direkt zu vergleichen. Preise sind dabei keine objektiven Eigenschaften von Dingen, sondern historische Austauschverhältnisse. Ein Preis von zwei Euro für ein Brot sagt uns lediglich, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt Käufer und Verkäufer das Brot wichtiger einschätzten als die zwei Euro.
Subjektive Wertlehre im Tausch
Der Grund für jeden Tausch ist eine Ungleichheit in der Bewertung. Du kaufst das Brot nur, weil du es wertvoller findest als das Geldstück in deiner Tasche. Der Bäcker verkauft es, weil er das Geld lieber hat als das Brot. Beide Seiten gewinnen aus ihrer subjektiven Sicht. Die Katallaktik baut auf dieser subjektiven Wertlehre auf. Sie zeigt, dass es keinen richtigen oder objektiven Preis gibt, der unabhängig von den Bewertungen der handelnden Menschen existiert.
Wirtschaftsrechnung
Durch Geldpreise können Unternehmer kalkulieren. Sie vergleichen die erwarteten Einnahmen mit den Kosten für Rohstoffe, Arbeit und Maschinen. Diese Wirtschaftsrechnung ist das Navigationsinstrument im Markt. Sie zeigt an, ob Ressourcen effizient genutzt oder verschwendet werden. Ohne Marktpreise wäre diese Rechnung unmöglich, was zu Chaos und Fehlallokationen führt.
Vertiefung
Die Praxeologie ist die allgemeine Wissenschaft vom menschlichen Handeln und gilt immer und überall. Die Katallaktik ist ihr spezieller Zweig, der sich mit dem Handeln in einer Gesellschaft beschäftigt, die auf Arbeitsteilung und Geldtausch beruht. Sie setzt bestimmte Bedingungen voraus. Dazu gehören das Eigentum an Produktionsmitteln und die Verwendung von Geld.
Um die realen Marktprozesse zu verstehen, nutzt die Katallaktik Gedankenexperimente oder imaginäre Konstruktionen. Ein wichtiges Beispiel ist die gleichförmig rotierende Wirtschaft. Dies ist ein gedanklicher Zustand, in dem sich nichts mehr ändert und alle Anpassungsprozesse abgeschlossen sind. In der Realität gibt es diesen Zustand nie. Er hilft uns aber, die Funktionen von Gewinn, Verlust und Zins isoliert zu betrachten und zu verstehen, warum sich Preise in eine bestimmte Richtung bewegen.
Innerhalb der Katallaktik wird der Zins nicht als Preis für Geld definiert, sondern als Ausdruck der Zeitpräferenz. Menschen schätzen gegenwärtige Güter höher ein als künftige Güter gleicher Art und Menge. Dieser Abschlag für die Zukunft manifestiert sich im Urzins, der in jedem Marktgeschäft enthalten ist, das Zeit beansprucht.
Verwandte Begriffe und interne Links
Die Basis der Katallaktik ist die Praxeologie. Eng verbunden sind zudem die Wirtschaftsrechnung und die Subjektive Wertlehre. Fundamental für die Preisbildung sind Tausch und Geld. Auch der Unternehmer spielt eine zentrale Rolle für den Marktprozess.